Wer
auf den Spuren eines Kaisers wandeln will, ist in
Yuste im Norden der Extremadura
richtig. Hier schlängelt sich die „Ruta
del emperador“ durch die Täler. Der Weg
ist benannt nach Kaiser („emperador“)
Karl V. Der Kaiser des Heiligen Römischen Reiches
deutscher Nation verbrachte nach seiner Abdankung
im Jahr 1556 seinen Lebensabend im Kloster Yuste in
der Nähe von Plasencia,
wo er mit 58 Jahren starb. Der letzte Weg Karls V.
führte ihn von Jarandilla de le Vera über
die Passstraße vom Jerte- ins Vera-Tal durch
einige kleine Bergdörfer bis zum Kloster, wo
er und sein Tross am 3. Februar 1557 ankamen. Beim
Anblick des Passes soll Karl V. in leidlichem Spanisch
gesagt haben: „Ya no franqueare otro puerto
– que el de la muerte.“ (Ich werde über
keinen anderen Pass mehr gehen als über den des
Todes.) Die Strecke wurde inzwischen zu einem Wanderweg
ausgebaut, der rund 16 Kilometer lang ist und auch
von untrainierten Personen leicht bewältigt werden
kann. Die Route führt durch das Vera-Tal über
Gebirgsbäche hinweg und durch liebenswürdige
kleine Orte wie Aldeanueva de la Vera und Cuacos de
Yuste. Von Cuacos de Yuste aus führt eine Straße
bergan zum Kloster. Auf der rechten Seite liegt auf
halber Strecke recht unscheinbar ein deutscher Friedhof.
Dorthin hat man deutsche Soldaten gebracht, die in
verschiedenen Schlachten des Ersten und Zweiten Weltkriegs
ums Leben kamen. Die begrünte Freifläche
ist von 180 einfachen Granitkreuzen bedeckt, in die
Namen und Lebensdaten der Gefallenen eingemeißelt
sind. Die Kriegsgräberstätte befindet sich
einen knappen Kilometer unterhalb des Klosters von
Yuste, dessen alte, hohe Bäume dem Wanderer Schatten
spenden.
Im Hieronymitenkloster Yuste verbrachte Karl V. seine letzten Monate. Da er an Gicht erkrankt war, ließen die Mönche des Klosters die Mauer der Klosterkirche aufbrechen, neben der Karl seine Zimmer hatte. So konnte er vom Bett aus die Gottesdienste mitverfolgen. Vom Sessel aus blickte er auf einen großen Garten, der auch heute noch malerisch über dem Vera-Tal liegt und von dem aus man bis zum Horizont sehen kann. In den Privaträumen des Kaisers, die heute noch besucht werden könne, starb Karl V. am 2. September 1558. Seine sterblichen Überreste ruhten 16 Jahre lang im Kloster, bis sein Sohn Philipp II. den Eichensarg aus der Krypta der Klosterkirche ins El Escorial überführen ließ.
Das Kloster, das zu Beginn des 15. Jahrhunderts erbaut
worden war, blieb trotz seiner Abgelegenheit nicht
von den französischen Truppen verschont, die
es im Jahr 1809 im Kampf gegen die spanische Guerilla
nieder brannten. Daher steht heute ein Wiederaufbau
aus dem 19. Jahrhundert anstelle des spätmittelalterlichen
Komplexes. Doch auch jetzt noch leben Hieronymiten
im Kloster, die einen Teil der Anlage als Museum zur
Verfügung gestellt haben. In Yuste ist außerdem
eine Europäische Akademie ansässig, die
Gelehrte für hervorragende Leistungen auszeichnet.
Zu den Geehrten gehören zum Beispiel Umberto
Eco, Hans Küng und Vaclav Havel. Alle zwei Jahre
verleiht die Stiftung zusätzlich den renommierten
Friedenspreis von Yuste in Gedenken an Karl V. 2008
erhielt den Preis die französische Politikerin
Simone Weil, zwei Jahre zuvor Altbundeskanzler Helmut
Kohl. Damit hielten sich schon zwei große deutsche
Staatenlenker in Yuste auf. |