Auch
wenn man in Reiseführern schon viel über
die Größe des Klosters Guadalupe gelesen
hat, ist man erstaunt, wenn es tatsächlich vor
einem liegt. Der Weg zum Kloster führt von Trujillo
aus eine ganze Weile lang über wenig befahrene
Bundesstraßen und durch kleine Dörfer wie
Logrosan und Canamero. Kurz vor Erreichen des Ziels
fährt man noch einige Kilometer durch den dichten
Wald der Sierra de Guadalupe, durch die kurvenreiche,
enge Straßen führen. Irgendwann erreicht
man das Städtchen Guadalupe, das sich an einen
steilen Hügel angeschmiegt hat. Vom Kloster sieht
man, da die Straße von unten den Hang hinauf
führt, zunächst nur die Turmspitzen und
das Dach. Erst wenn man auf dem Platz vor dem Kloster
zum Stehen kommt, erstrahlt die Kirche und die Anlage
in vollem Glanz. Dann wundert man sich, wie sich so
eine riesenhafte Anlage in so einem winzigen Ort ansiedeln
konnte.
Die Gründungsgeschichte des Klosters reicht in die Zeit der Reconquista zurück, wie bei so vielen Klöstern, Kirchen und Ritterorden in der Extremadura der Fall. Hauptperson der Entstehungslegende ist eine kleine Marienfigur aus Zedernholz. Diese soll kein geringerer als der Evangelist Lukas geschnitzt haben. Die schwarze Madonna soll über Konstantinopel, Rom und Sevilla ihren Weg in die Extremadura genommen haben. Dort versteckte sie ein Unbekannter am Ufer des Guadalupejo und dort fand sie um 1400 ein Hirte aus Caceres. Am Fundort errichteten die Gläubigen zunächst eine kleine Gedenkkapelle. Der kastilische König Alfons XI. ließ hier Mitte des 14. Jahrhunderts eine Kirche und ein Kloster des spanischen Ordens der Hieronymiten errichten, die auch im Kloster Yuste einen Konvent unterhalten. Damit dankte er der Gottesmutter für ihren Beistand im siegreichen Kampf gegen die Berber. Mit dem Bau der Anlage begann die Erfolgsgeschichte der Heiligen Maria von Guadalupe. Immer wieder kamen die Herrscher in das kleine Bergdörfchen. In der Kirche beteten die Könige um den Segen der Jungfrau im Kampf gegen die Mauren. Die Konquistadoren ließen in Guadalupe die ersten Indios taufen, die sie aus der neuen Welt mitgebracht hatten. Auf diese Weise wurde Guadalupe zum zentralen Wallfahrtsort der lateinamerikanischen Christen. Dutzende von Städten selben Namens auf dem ganzen südamerikanischen Subkontinent legen hiervon Zeugnis ab. 1907 erkannte Papst Pius X. den Ort als Wallfahrtsort an und 1928 ernannte die katholische Kirche die Jungfrau von Guadalupe zur Patronin der gesamten spanischsprachigen Welt. Die kleine hölzerne Marienfigur thront seit dem 17. Jahrhundert in mitten eines gewaltigen Hauptaltars. Dort steht sie, mit einem Zepter in der Hand, einem Königsumhang und einer Krone auf dem Haupt. Jedes Jahr strömen Zehntausende von Pilgern aus aller Welt vor diesen Hauptaltar.
Die Kirche und die Klosteranlage, die zum UNESCO-Weltkulturerbe
zählen, sind so reich an Sehenswürdigkeiten,
dass man unbedingt einen ganzen Tag für den Besuch
einplanen sollte. Atemberaubend ist allein schon das
Portal der Klosterkirche, eine Mischung aus Gotik
und Mudejar-Stil
. Das Portal entstand etwa zur gleichen Zeit wie
der Kreuzgang, im 15. Jahrhundert. Auch dieser ist
eine Mudejar-Arbeit, eine der schönsten in ganz
Spanien noch dazu. Sehr zu empfehlen sind daneben
die Mönchsbilder des extremenischen Malers Francisco
de Zurbaran in der Sakristei, die Reliquien- und Schatzkammer
sowie das Kabinett hinter dem Hochaltar, von wo aus
man aus der Nähe auf die Madonna blicken kann.
Wer sich für Ordensgeschichte und Kloster-Architektur
interessiert, dem sei zudem der Besuch der ehemaligen
Bischofsstädte Caceres und Plasencia sowie des
Klosters Yuste, Alterssitz Karls V., ans Herz gelegt. |